Welpenschutz

Das Ammenmärchen vom Welpenschutz hält sich auch heutzutage noch hartnäckig! Wie oft hört man im Park den Satz: „Lassen sie die Hunde nur machen, ihrer hat doch noch Welpenschutz….“ Oder kommt es sogar zu einer Maßregelung seitens des erwachsenen Hundes, wird dieser schnell als sozial unverträglich und aggressiv abgestempelt, denn es kann ja nicht sein, dass ein erwachsener Hund einen Welpen beißt, der ja noch den Welpenschutz hat…

Der Gedanke weicht nur sehr langsam aus den Köpfen, dass ein Welpe sozusagen „unantastbar“ ist. Wer aufmerksam beobachtet, fragt sich allerdings schon recht schnell, warum der angeblich Unantastbare der Letzte zu sein scheint, der davon weiß. Welpen machen nur äußerst selten einen entspannten oder glücklichen Eindruck, wenn sie von fremden älteren bzw. erwachsenen Artgenossen inspiziert werden. Der Grund ist einfach, denn einen „Welpenschutz“ gibt es gar nicht.

Was passiert innerhalb der Familie?

Wenn es einen Welpenschutz gibt, dann gibt es diesen allenfalls innerhalb der eigenen Familie. Es wäre biologisch einfach nicht sinnvoll, nach dem ganzen Produktions-Aufwand dem Nachwuchs Schlechtes anzutun, damit er sich existenziell verdünnisiert. Für außenstehende Welpen kann das hingegen durchaus Sinn machen. Denn dann hat die eigene Brut weniger Konkurrenz. Diese im Tierreich recht weit verbreitete Ansicht sollte man auch in Sachen Hund im Hinterkopf haben. Auch nicht jeder erwachsene Mensch ist ein Kleinkinder-Freund…

Gelernt wird, was gelernt wird

Ganz gleich wie rücksichtsvoll sich ein älterer bzw. erwachsener Hund gegenüber einem Welpen verhalten mag, was der Kleine bei Hundebegegnungen jeder Art erfährt, lehrt ihn auch etwas. Der Welpe lernt Verhaltensstrategien, insbesondere solche, die sich auf den Umgang mit Unangenehmem oder sogar Ängstigendem beziehen. Das Verhalten, das erfolgreich in dem Sinne ist, dass es Bedürfnisse wie Sicherheit, Entspannung oder auch Unterstützung erfüllt, also das bewirkt, was der Welpe individuell braucht und durch sein Verhalten zu erreichen sucht, wird der Biologie des Lernens entsprechend häufiger auftreten. Wer seinen Welpen der Situation überlässt, kann nicht beeinflussen, welches Verhalten das ist.

Der Alltag

Man beobachtet oft, dass beim Herannahen eines anderen Hundes sich der Welpe hinter den Beinen seines Menschen versteckt. Direkt kommt der Spruch: „Lassen sie nur, die regeln das unter sich…“ Der Welpe signalisiert damit einerseits seine Unsicherheit, andererseits aber auch das, was er in der Situation braucht: Distanz zwischen sich und dem fremden Hund. Wenn nun der Besitzer tatsächlich weggeht und seinen Welpen in dieser Situation alleine lässt, lernt dieser – prima, wenn es brenzlig wird, dann ist der einzige auf den ich mich NICHT verlassen kann, mein Mensch. Was sollte bitte ein Welpe mit einem ausgewachsenen, ihm völlig fremden Hund, klären wollen/sollen? Nun hat der kleine Welpe mehrere Möglichkeiten: Er kann die Flucht ergreifen, angreifen, in die Spielaufforderung gehen oder erstarren. Aber bevor dies alles der Fall ist, lieber Mensch, geh bitte in die Hocke und schirme den fremden Hund von deinem Welpen ab. Er lernt, wenn es brenzlig wird, geh zu deinem Menschen, der regelt dass dann schon. Die Welpen sollten in der Welpenschule kontrollierten Umgang mit Artgenossen kennenlernen und nicht mit jedem x-beliebigen Hund draußen Kontakt haben. Zu schnell ist was passiert und dies wäre in dieser hochsensiblen Phase fatal! Die Welpen sollten sowohl zu Artgenossen wie auch zu Menschen, qualitativ wertvollen Kontakt haben und nicht quantitativ viele.

Aus dem Ablauf von Hundebegegnungen kann sich für den Welpen früher oder später ein „Patentrezept für Hundebegegnungen“ herauskristallisieren: die Strategie, die von allen am häufigsten Erfolg hatte oder die erfolgsmäßig besonders beeindruckend war. Wichtig: Erfolg ist, was das Bedürfnis erfüllte! Im schlechtesten Fall kann deshalb ganz im Vorbeigehen das Fundament für eine spätere Unverträglichkeit des Hundes mit Artgenossen gelegt werden. Wenn der Welpe am Ende gar verinnerlicht, dass nichts und niemand ihm je helfen wollte, kann sein Dasein sogar in erlernter Hilflosigkeit münden.

Wie kann ich meinen Welpen unterstützen

Zunächst: Vergessen Sie das Ammenmärchen vom Welpenschutz unter Hunden. Der einzige Schutz, den Ihr Welpe genießt, ist der, den Sie ihm gewähren. Bedenken Sie, dass „Familie“ und „Außenwelt“ zwei verschiedene Welten sind, in denen mit den Schwächsten unterschiedlich umgegangen werden kann. Kein Hund trägt ein Gen-Programm in sich, das ihn zum obligatorischen Welpenfreund macht. Hinzu kommt: Wird ein Welpe in eine frei lebende, reine Hundefamilie hineingeboren, entwickelt er sich eingebettet in Rücksichtnahme. Kein Familienmitglied lädt Fremde ein, sich den Zwerg nach Gutdünken einmal vorzunehmen. Ganz im Gegenteil.

Wichtig deshalb:

Gestalten Sie Hundebegegnungen für den Welpen sehr behutsam, kontrolliert, rücksichtsvoll und unter Berücksichtigung des Lernverhaltens. Sie können beeinflussen, was Ihr Hund lernt, wann, wie und von wem. Ermöglichen Sie Ihrem Welpen Hundebegegnungen, die für Ihren kleinen Freund ruhig und entspannt verlaufen und echtes Spielen ermöglichen. Denken Sie immer daran, dass ein Hund, insbesondere ein Welpe, genau wie ein kleines Menschenkind einen „sicheren Hafen“ braucht, jemanden, der konsequent für Personenschutz sorgt und jene Insel gestaltet, von der aus sich ein kleiner Entdecker die Außenwelt mit allem, was sich darin befindet, im eigenen Tempo erschließen kann. Wenden Sie sich frühzeitig an einen versierten Hundetrainer oder Verhaltensberater, vorzugsweise bevor Dinge schief gelaufen sind!