Hunde-Senior -Alte Hunde – altes Eisen?

Der Hunde-Senior

Diesen Blog widmen wir drei ganz besonderen Hunden und deren Zweibeinern. Danke Bundi, Emma und Theo, dass wir so viel von euch lernen durften.

Als ich meine Trainerausbildung begonnen habe wurde mir viel beigebracht – wie man Welpen gut sozialisiert, Junghunde formt und erwachsene Hunde beschäftigt. Es gab alle Themen rauf und runter. Hundesport hier und da, Ausführung & Schnelligkeit und Perfektion.
Die Beschäftigung und Förderung von alten Hund fand jedoch lediglich als Randbemerkung statt. Auch in der Zeit bzw. im Hundetraining danach gab es wenig Kontakt mit den vierbeinigen Senioren.
Viele sind der Meinung, ihren treuen Weggefährten in die Rente zu schicken. Nach vielen gemeinsamen Jahren in denen der Hund treu gedient hat- wird er nun einfach auf das Abstellgleis gestellt.
Ein junger Hund kommt ins Haus und alle Augen und Erwartungen richten sich wieder auf den jungen Hund.
Der Senior wird nicht mehr gebraucht, muss nicht mehr gefallen und läuft wie selbstverständlich als Beiwerk neben her.
(Manchen Menschen geht es bestimmt genauso, aber das ist ein anderes Thema).

Daher fingen wir uns in der Hundeschule an Gedanken zu machen und stellten einen Seniorenkurs auf die Beine- reich sind wir damit nicht geworden aber sehr, sehr glücklich und es gab viele Momente, bei denen wir aus dem Staunen nicht mehr raus kamen.

Wir würden gerne die Hundebesitzer von älteren Hunden anregen, doch mal wieder ein paar Übungen, Herausforderungen und Abenteuer mit ihrem Hunde-Senior einzugehen, denn die Unterforderung eines alten Hundes, ist beinahe genauso fatal wie die Überforderung.

Ebenso wichtig ist in dieser Periode des Lebens eine konsequente Führung, die sich aber den Bedürfnissen und der Wehwehchen anpasst.

Was passiert mit dem Hund, wenn er nicht mehr lernen darf und gefördert wird?

Abgesehen von der Unterforderung, werden Verhaltensweisen gelöscht und geraten in Vergessenheit.

Die Extinktion (Löschung) einer Verhaltensweise passiert dann, wenn ein bestimmtes Verhalten nicht mehr bestätigt bzw. gefordert wird. Ein gewünschtes Verhalten verliert an Aufmerksamkeit und wird vom Hund aus weniger gezeigt.

Was bedeutet das für uns im Alltag? Der Hund wird langsam, träge, er hört nicht mehr aufs Wort. Es entsteht eine Kette, der Hundebesitzer wird ungeduldig, nimmt den Hunde nicht mehr so oft mit und die Beziehung kann Risse bekommen.

Manche gelangweilten Hunde werden tatsächlich depressiv, die Unterforderung kann sich aber auch auf die Gesundheit auswirken.

Altersgerechte Förderung für den Senior-Hund:

Oldies kann und sollte man genauso fürs Training begeistern wie junge Hunde. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Kriterien ändern und die Anforderungen angepasst werden sollten:
Die geistige Auslastung und die Mobilität des Bewegungsapparates wird in den Vordergrund gestellt. Aus der Sportgruppe- wird nun die Schachgruppe ☺
Wichtig ist daher, auch beim alten Hund – sanft und mit aller Geduld – auf das Einhalten von Regeln nicht zu verzichten und sich für die Folgsamkeit von Signalen, Alternativen zu überlegen. Statt dem „“Sitz“ bieten wir dem Hund ein „Steh“ an, und legen weniger wert auf die korrekte und schnelle Ausführung der Signale.
Das Gedächtnis unterstützen kann man in vielen Varianten. Beispielsweise in Form des Klicker-Trainings.
Hier beginnt man mit leichten Übungen, wie dem Touch.
Hat der Hund diese Übung erlernt, kann man die verschiedenen Gegenstände benennen und den Hund motivieren diese mit der Nase zu berühren. Hat der Hund erstmal erlernt zwei Sachen zu unterscheiden, bieten sich tolle Möglichkeiten der Beschäftigung. Sei es die Gegenstände zu verstecken oder aus einem Haufen von Dingen raus zu sortieren. Mit der Zeit bringt man dem Hund bei, mehrere Gegenstände voneinander zu unterscheiden.
Zu beachten ist, dass es dem Hund Spass machen soll. Bringt er einmal den falschen Gegenstand, wird es einfach ignoriert und der Halter motiviert zum zweiten Versuch den richtigen Gegenstand zu bringen.
Zur Vereinfachung sollten die sich die Bringsel voneinander unterscheiden. Z.B Schuh und Kuscheltier, Ball und ein länglicher Gegenstand.

Ab wann zählt man den Hund zum Senioren?

Das ist rasseabhängig und die Altersangaben in Form von Zahlen sollten kritisch betrachtet werden. Eine Dogge ist mit sechs Jahren schon aufgrund der Größe und Belastung durch das Gewicht ein Senior. Vergleicht man einen Mops mit einem kleinen Terrier, erkennt man hier gravierende Unterschiede in der Mobilität und Ausdauer. Ein Jack-Russel Terrier mit 8 Jahren kann man im Normalfall nicht zum alten Eisen zählen.
Kleinere Hunderassen können mit etwas Glück mehr als dreifach so alt werden, wie die Großen. Besonders im Alter sollten wir unseren Hund besonders aufmerksam beobachten, um fest zu stellen, was sein Wohlbefinden fördert und was einfach zuviel verlangt ist. Hunde sind Individuen und was dem einen Hund gut tut, an dem findet ein anderer Hundesenior kein Gefallen.
In der Regel kann man sagen, je kleiner die Hunderasse, desto älter wird sie.
Zu beachten sind hier allerdings die rassespezifischen Eigenschaften.

Was ändert sich im Alter?

– Die Zellerneuerung und Erholung wird verlangsamt
– Die Nervenzellen nehmen ab
– Muskeln und Bindegewebe verringern sich
– Der Stoffwechsel wird schlechter, der Anteil des Fettgewebes steigt an
– Die Verdauung wird schlechter (Umstellung Futter)
– Die Sinnesorgane lassen nach – bei Bedarf sollte man die Signale umstellen
– Der Hund benötigt längere Schlaf- und Ruhepausen
– Die Reaktionsgeschwindigkeit lässt nach

Beim Training im Alltag – worauf muss ich achten?

Vor Beginn einer Trainingseinheit oder eines längeren Spaziergangs sollte der Hund aufgewärmt werden. Richtiges Aufwärmen bereitet den Hund körperlich und geistig auf die Leistung vor.

Warm up – Aktives Aufwärmen für Hunde
Durch das Aufwärmen wird in den Gelenken die wichtige Gelenkschmiere produziert, die die reibungslose Funktion der Gelenke garantiert, und das Herz-Kreislauf-System wird in Gang gebracht.
Richtiges Aufwärmen steigert die Körpertemperatur, dadurch können die Muskeln schneller reagieren, anspannen sowie entspannen.
Zudem steigert es die Elastizität der Muskeln und verringert somit das Verletzungsrisiko (Risse, Zerrungen etc.).
Übungen:
Tempowechsel zwischen Schritt und Trab. Beginnend mit einem langsamen Schritt geht man dann in kurzen Intervallen von ca. 20 – 30 Sek. ins Traben hinüber, danach erfolgt wieder ein Wechsel. Das Aufwärmen sollte 5 – 10 Minuten dauern.

Einzelne Muskelgruppen dehnen:
– Den Hund zwischen die Beine führen und jeweils rechts und links füttern. Hierbei wird die Nackenmuskulatur gedehnt.
– Mit jeweils einer Pfote, dann beide auf einen Stepper stellen. Hierbei werden die hinteren Muskelgruppen gedehnt.
– Slalomlaufen / Drehungen links und rechts.
– Wie beim Physiotherapeuten kann auch ein Medizinball genutzt werden, indem sich der Hund mit den Vorderpfoten darauf stellt und der Halter den Ball leicht in Bewegung setzt. Die Hinterbeine vom Hund sollten den Boden verlassen, damit er in eine Streckung kommt. Bei diesen Übungen sollte im ersten Schritt aber immer ein Hundephysiotherapeut zu Rate gezogen werden.

Cool Down
Um das Herz- Kreislaufsystem zu beruhigen, sowie die angespannten Muskeln zu entspannen und einem Muskelkater vorzubeugen, ist es wichtig den Hund nach der Übung in einen ruhigen Zustand zu bringen.
Tempowechsel, allerdings hier beginnend mit dem Trab und in Schritt über wechseln, bis der Hund wieder normal atmet und nicht hechelt. Dauer ca. 3- 10 Minuten.
Anschließend kann man mit der flachen Hand alle Muskelgruppen ausstreichen.
Bei älteren Hunden bitte darauf achten dass sie nicht zu sehr auskühlen, besonders an kalten und feuchten Tagen.

Je nach Fell – ist es sinnvoll dem Hund einen Mantel anzuziehen,bis er warm gelaufen ist.

Für weitere Ideen und Beschäftigungsmöglichkeiten mit eurem Senior stehen wir euch gern zur Verfügung oder lest doch mal bei uns quer : http://www.hundeschule-koeln-huerth.de/kurse/hundesenioren/
Denn denkt bitte dran, wer rastet – der rostet. Genießt die Zeit mir euren Hunde…Sie werden es euch danken……

Eure Agata & Janine

Hundeschule Unitas