7 Wege zur Motivation des Hundes

Belohnen liegt im Trend

Ob mit „click and treat“, einem hochfrequenten „Fein“ und anschließendem Leckerchen oder mit Spielzeug als Bestätigung, das Ergebnis ist dasselbe: Der Hund lernt, welche seiner Handlungen Erfolg versprechen, und führt diese häufiger aus. Zauberformeln wie „positive Verstärkung“ und „sanfte Erziehung“ gelten längst als moralisch wertvoll. Wenn Hundebesitzer sich zwischen Aggression, Ignorieren oder Motivation, den drei Möglichkeiten, um Verhalten zu beeinflussen, entscheiden müssen, wählen sie immer öfter die wohlwollende, großherzige Reaktion.

Nun winken Hunde, die unter sich sind, nicht mit Leckerlis, damit ein anderer mit ihnen spielt. Doch statt den Vorderkörper tief zu stellen oder einen Gegenstand in den Mund zu nehmen, locken wir mit Keks oder Knochen – was bei den meisten Adressaten durchaus gut ankommt. Weil es aber eher zur Art des Menschen zählt, Leistungen materiell zu honorieren, kursiert unter Zweibeinern ein energischer weltanschaulicher Disput darüber, was Hunde wirklich am besten motiviert. Die einen schwören auf Leckerbissen, andere auf Streicheleinheiten oder Spielzeug, wieder andere verzichten aufs Loben. Anerkannte Hundetrainer unterscheiden bei den Facetten der individuellen Erziehung sieben Kunstgriffe der Motivation.

Die 7 Wege zur Motivation

1. Lob mit Futter

„Lernen bedeutet, sein Verhalten zum eigenen Vorteil zu ändern“, meint die Biologin Claudia Wagner. „Hunde kooperieren nicht aus Dankbarkeit. Sie lernen nach dem Prinzip der operanten Konditionierung. Wenn ich was davon hab, mach ich’s wieder, sonst lass ich es bleiben.“ Der einfachste ist der Weg über die Futterbelohnung, denn Futter gehört zu den überlebenswichtigen Ressourcen für jeden Organismus. „Bei manchen Trainees ist es aber wichtig, Leckerchen zu wählen, die der Hund auch mag. Nicht alle sind bereit, für ein Stück Trockenfutter Höchstleistungen zu vollbringen“, so Wagner.

2. Lob mit Futter & Worten

Für Hundeprofi Martin Rütter spricht ebenfalls nichts dagegen, den Vierbeiner lebenslang für die korrekte Ausführung von Signalen zu belohnen. „Natürlich gibt es im Lauf der Zeit eine Art Belohnungshierarchie“, erklärt er. „Soll heißen, für ein einfaches Sitz bekommt mein Hund kein Riesenstück Pansen mehr, jedoch immer ein verbales Lob sowie ab und zu ein Futterbröckchen. Pfeife ich ihn jedoch aus dem Spiel mit Hunden oder von einer Fährte zurück, bekommt er seinen heißgeliebten Pansen.“

Gehorsam gegen Futter sei wie Geld gegen Ware zu geben, meint allerdings Jan Nijboer, Begründer der Erziehungsmethode Natural Dogmanship. Er nennt dies eine Geschäftsbeziehung oder sekundäre soziale Beziehung. „Kennzeichnend für eine primäre soziale Beziehung sind dagegen gleiche Zielsetzungen der Sozialpartner.“ Seiner Meinung nach ist das Wie des Zusammenlebens viel wichtiger als das, was erreicht wird.

3. Lob durch Spielen

Es gibt Hunde, für die Spielen als hochwertigere Belohnung gilt als Fressen. Nach längerer Konzentrationsphase ist ein Spiel zur Auflockerung genau das Richtige. Diese Belohnungsstrategie ist aber aufwendiger, als Futter zu geben, und erfordert vom Menschen ein gewisses Vortraining. Darüber hinaus sollte der Besitzer fit und beweglich sein und keine Scheu haben, sich schmutzig zu machen.

4. Lob durch Streicheln

Nicht verführen, sondern überzeugen: Für die Tiertrainerin und Deutsche Meisterin im Schafehüten Anne Krüger steht Streicheln an erster Stelle. Belohnungen wie Leckerbissen oder Spielzeug lehnt sie ab, denn „der Hund soll nicht verführt werden, sondern überzeugt“. Sie bestätigt den Hund mit freundlicher Stimme oder durch Liebkosen des Gesichts. „Das ist Beziehungsarbeit“, meint Krüger. „Denn beim Hund führt das Abstreichen seines Gesichts zur wohltuenden Entspannung. Verantwortlich dafür sind Reflexzonen, die in der Nasenfalte und in den Wangen sitzen. Je langsamer und ruhiger der Hund an diesen Stellen berührt wird, desto entspannter reagiert er“, erklärt die Tierwirtschaftsmeisterin.

Wer mit Streicheln belohnt, sollte darauf achten, dass sein Tier die Berührung genießt. Manche Hunde drehen den Kopf weg oder warten, bis das für sie lästige Anfassen vorüber ist. Die wenigsten mögen es, wenn man ihnen über den Kopf streicht. Hinter den Ohren oder am Bauch gekrault zu werden, empfinden viele als angenehm. Ein Hund, der es genießt, lehnt sich mit dem Körper gegen die Hand, die ihn streichelt, und wendet sich seinem Menschen zu.

5. Lob durch Schweigen

Den Hund zu ignorieren, was bei manchen Besitzern schon als Form der Bestrafung gilt, ist für Schäferin Anne Krüger ein Lob, „aber ein passives“. Durch Schweigen wird das Verhalten des Hundes geduldet. Man animiert ihn indirekt zum Weitermachen und signalisiert: Was du gerade machst, ist okay. „In manchen Situationen stört Loben die Aktion“, erklärt Krüger. „Platzmachen gelingt oft besser, wenn der liegende Hund nicht überschwänglich gelobt wird, denn das bringt ihn meist sofort wieder auf die Beine.“

Vor allem bei Hunden aus Arbeitslinien kann zu viel Motivation kontraproduktiv sein. Sie brauchen weder Dummys noch Futter als Anreiz, denn die Zusammenarbeit mit dem Menschen liegt ihnen im Blut. Hier gilt es, den Ball der Motivation eher flach zu halten und viel Wert auf Ruhe und Konzentration zu legen. Stille Freude oder ein ruhiges stimmliches Lob reichen Workaholics oft schon aus.

Loben lernen: die häufigsten Fehler beim Belohnen

– Wir beachten häufig nur, was uns nervt, statt zu loben, wenn der Hund etwas gut macht, etwa an lockerer Leine läuft.

– Wir loben zu spät, nicht während der Übung, sondern wenn sie vorbei ist. Geht der Hund zum Beispiel über einen Gitterrost, sollte er währenddessen gelobt werden und nicht, wenn er wieder angenehmen Boden unter den Pfoten hat.

– Wir loben zu überschwänglich, was Hunde so erregt, dass sie die Übung vorzeitig abbrechen. Gerade bei Ruheübungen („Platz“ oder „Bleib“) sollte man, wenn überhaupt, nur sanft loben.

– Wir verlangen zu viel. Nichts wirkt auch bei Hunden demotivierender als ständiger Misserfolg. Daher ist es wichtig, schon kleinste Schritte anzuerkennen und zu belohnen. Soll das Tier beispielsweise lernen, seine Pfote zu geben, hilft es, schon seine Gewichtsverlagerung zu loben, als nächstes wird das kleinste Abheben der Pfote vom Boden gelobt, und so weiter.

6. Lob mit Herzblut

Willst du gelten, mach dich selten – einer, der Hunde auf höchstem Niveau ausbildet und dabei ebenfalls nicht auf Futter setzt, ist der Schweizer Trainer Hans Schlegel. „Ein Lob muss immer von Herzen kommen und ohne Eigennutz sein“, erklärt er. „Wer lobt, um etwas zu bewirken, ist nicht ehrlich, und wer mit Futter lockt, setzt sich selbst in den Hintergrund.“

Hündisches Lob hat sich Schlegel angeblich von den Wölfen abgeschaut. Er unterscheidet vier Abstufungen artgerechter Anerkennung: „Im Wolfsrudel ist es für das rangniedere Tier das höchste Lob, wenn der Ranghöhere sich mit ihm auseinandersetzt. Folglich ist das höchste Lob, wenn der Mensch, der für seinen Hund ein Leader ist, ihm Aufmerksamkeit schenkt und sich mit ihm beschäftigt. Das zweitgrößte Lob ist, dem Leader folgen zu dürfen. Denn wenn der Rangniedrige sich nicht darum bemüht, ist der Ranghöhere weg. An dritter Position folgt eine Bestätigungsform, die Wölfe als wohltuend und angenehm empfinden: das Kontaktliegen und gemeinsame Ruhen.“

Schlegel, dessen Karriere in den Achtzigerjahren mit der Ausbildung von Polizeihunden in den USA begann, erklärt: „Streicheleinheiten, die von Herzen kommen, entsprechen dem Kontaktliegen. Erst an vierter Stelle steht das Beuteteilen, sei das bei Hunden nun Futter oder Spielzeug. Meistens aber lockt und besticht der Mensch seinen Hund mit Wurst, aber darauf lässt sich keine herzliche Beziehung aufbauen“, so der anerkannte Fachmann.

7. Motivation versus Triebe

„Das Verständnis von Hundeverhalten ist inzwischen so behavioristisch geprägt, dass der Eindruck vorherrscht, alles sei durch den Einsatz von Belohnung und Strafe manipulierbar“, meinen die Trainer Rolf und Madeleine Franck. „Aber positive Verstärkung in Form von externer Belohnung kratzt immer nur an der Oberfläche der Motivation. Was dabei zu kurz kommt, sind die damit einhergehenden Emotionen.“

Ihre These: Dieselbe erleichterte Freude, die einen Schüler nach der bestandenen Matheprüfung einen Luftsprung machen lässt, empfindet der Hund nach einer gelösten Aufgabe. Erfolg zu haben fühlt sich einfach gut an. Das Gehirn schüttet Dopamin aus, den Auslöser für Glücksgefühle. Die Zehn-Euro-Belohnung von der Oma empfindet der eine ebenso als nette Draufgabe wie der andere das Stück Wurst. „Viel wichtiger ist das innere Wohlgefühl, das sich bereits vor der echten Belohnung einstellt. Die im Ich-hab’s-geschafft-Moment ausgeschütteten Glücksbotenstoffe sind die wichtigsten Verstärker“, erläutern beide Trainer, die in ihrem Erziehungskonzept „Blauerhund“ weder auf Rangordnungsprinzipien noch auf Triebbefriedigung setzen.

Was heißt das für den Alltag?

Prinzipiell ist Ja zu sagen ein Zeichen unserer Zuneigung, und es spricht nichts dagegen, wenn wir unseren Schützling großzügig loben und verwöhnen, wenn wir es aus ganzem Herzen und frei von strategischen Hintergedanken tun. Meistens allerdings loben wir in taktischer Absicht, um ein bestimmtes Verhalten beim Hund hervorzurufen. Dann kommt die Zustimmung aus unserem Kopf statt von Herzen, was zur Folge haben kann, dass wir allzu leicht zum Futterautomat für den Hund oder zur Ballwurfmaschine mutieren und Werte wie Respekt und Vertrauen mit Futter erkaufen wollen – keine gute Entwicklung für den Sozialpartner Mensch.

Besser ist es in jedem Fall, niemals nur eine Lobform aus dem Motivationskoffer zu holen, um einen Hund anzufeuern. Auch Spielzeug, Streicheleinheiten sowie das gezielte Verschenken von Aufmerksamkeit oder ein simples „Lauf!“ nach einer längeren Bleibübung können, wo es passt, den Hund in seinem Handeln bestätigen. Je mehr Persönlichkeit wir Menschen dabei in die Beziehung zu unserem Vierbeiner legen, umso eher wird dieser bereit sein, sich für gemeinsame oder allein unsere Ziele anzustrengen. Das bedeutet: Weniger dressieren, mehr körpersprachlich kommunizieren und möglichst individuell, authentisch und fantasievoll belohnen. Schließlich gilt auch für unseren Umgang mit Hunden: Die besten Geschenke sind die, die man nicht kaufen kann.

Text: Astrid Nestler